Wien II

SOX N.C.C. am Yppenmarkt

Woche 4 bzw. Monat 1. Ich besitze endlich Internet zuhaus, ich lande trotzdem regelmäßig im Café und verlasse es meist mindestens angetrunken und stolper dann gelegentlich noch in eine Kaschemme, Beisl sagt man hier, um mich zu vergessen. Weil der Abend doch jetzt noch nicht zu Ende sein kann.

Es gibt nichts schrecklicheres als Selbstmitleid, außer selbst angesoffenes Selbstmitleid. Aus Angst vor aufkeimenden Gefühlsduseleien, deren Ausmaße sich stets überwältigend anfühlen, kippe ich meinen Kopf in mehrere Biergläser in der Hoffnung vor mir selbst davon zu kommen.

Every muscle must be tight.

Meine Geisteszustände oszillieren zwischen dem Arbeitsmodus, d.h. wenig Schlaf, wenig Essen, partielle Ahnungslosigkeit in Verbindung mit blindem Vertrauen darin dass das schon alles werden wird, dem Gefühlsverdrängungsmodus, vulgo Alkohol, oder dem schlimmsten Modus: Einsamkeit und Sentimentalitäten. Von Montag bis Samstag komme ich dem letzten Modus durch den ersten davon. Danach folgt der zweite, der naturgemäß stets subversiv entstand, ich nehme mir das ja nie vor, eine Flucht vor mir selbst und somit spätestens Sonntag das emotionale Tief. Dann fühle ich mich allein und auch verloren. Arbeits- und Alkoholpausen bekommen meinem Körper gut, meinem Kopf dagegen weniger.

All work and no play makes Jack a dull boy.

Manchmal gehe ich sogar am Sonntag an meinen Arbeitsplatz, um mir nicht den Kopf zu zerbrechen oder zu zertrinken. Die Wurstexzesse pegeln sich auch langsam auf ein normales Maß ein, dafür arbeite ich an den 1000 Schnitzeln die ich hier essen soll. Es fehlen noch 996. Noch 996 Schnitzel bis Berlin. Dort erwarten mich, das wurde mir schon angekündigt, Peitschenhiebe mit einer Seitanpeitsche.

Taubenfeindlichkeit

Ums Eck ist der Brunnenmarkt in der Brunnengasse, sehr preisgünstig, sowie der Yppenplatz mit der nächsten Graffiti Hall of Fame. Vielleicht schaff ichs ja dieses Jahr doch noch ein Bild zu malen, den Winter der das Fingerspitzengefühl zerfriert ignorier ich aber kühn. Anlügen kann man sich selber noch am besten, da macht einem keiner was vor.

Vor dem Haus, am Gürtel, treffen sich alle Bezirksalkoholiker aus Ottakring. Dazu gesellen sich noch diverse Straßenhändler: nagelneue weiße iPhones oder klitzekleine weiße Kügelchen aus der Unterhose rausgefischt. Was da drin ist weiß ich nicht, vielleicht Heroin? Für Kokain sieht mir das Klientel zu abefuckt aus. Der nächste Supermarkt ist ein Penny. Wer schonmal in einem Penny war, weiß was das über die Kaufkraft der Nachbarschaft aussagt.

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1 Kommentar zu „Wien II“

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