Zwischendurch #24: Futschi trinken

Jetzt zwei Videos, beide sehr unterschiedlich, beide aus Berlin, beide erzählen vom Futschi, dem Westberliner Kneipengetränk, das inzwischen als played out Detail von Literaten benutzt wird bzw. wurde um das Geschehen authentisch in Westberlin zu verorten. Trink ich ja nicht so, aber was solls.

Wilmersdorf. Kauz, irgendwo zwischen Rüdesheimer und Heidelberger Platz. Verfolg ich seit 2013. Wie immer wenn was gut ist, kennt kaum einer. Das hat Flavour und taucht nirgendswo auf, Schade.

Wedding. Shacke1 hängt entweder Futschi trinkend in der Kneipe oder betätigt sich sportlich beim Training im Zugdepot. Der Orpheus vom Nordkreuz. Das ist eine Granate, optisch und akustisch. Das Zündet, kennt man in Nordberlin.

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Ed Piskor: HIP HOP FAMILY TREE 2

Ed Piskor ist fleißig und zeichnet weiter. Im zweiten Teil von HIP HOP FAMILY TREE gibt es auch das berühmte Dondi Wholecar aus dem Jahr 1980. Es ist das dritte Bild der Children of the grave Serie. Erst 30 Jahre später fand  Martha Cooper das erste Bild – sie selbst hat nur die letzten beiden Bilder fotografiert. Ich hatte es ziemlich lange als Hintergrundbild, bis ich irgendwann auf schwarz umgestiegen bin. Ich finde es immer wieder faszinierend, wie der komplette Wagon unter dem Lack verschwindet. Diesen Effekt können Panels (Bilder unterhalb der Fenster) einfach nie erzeugen.


 

Martha Cooper: Dondi’s Children of the grave 1-3.

Steven Siegel: NYC Subway

Beeindruckender Ausschnitt aus einem Dokumentarfilm von Steven Siegel über die New Yorker Metro und Graffiti. Vermutlich stammen die Aufnahmen aus den 70er Jahren, da dem Nordturm des WTC 1 noch die Antenne fehlt, die 1978 hinzu kam. Dazu gibts noch Musik von J.S. Bach. Kultur- und Bildungsauftrag für diese Woche ist also erfüllt. Unbedingt auch Siegels Fotoserie auf Flickr ansehen, er hat ein Händchen für Komposition und Motivauswahl und wie Marvin Mügge schreibt:

Siegel zeigt wunderbar den Kontrast zwischen damals und heute, zwischen Freiheit und Sicherheit, Anarchie und Kontrolle.

Allerhand Metroplan-Porno gibts bei  Transit Maps auf tumblr. Unter anderem auch dieses anschauliche Werk von Arnorian, basierend auf einem Foto von Dennis Dimick.

SBB versus Kickboxer

Die Kickboxer AKA KCBR, Zürichs bekannteste Graffiticrew, haben ein Video plus Buch namens LIVE LIFE LIKE veröffentlicht. Erinnert mich an das 1000 Tage – 1000 Züge Projekt von TAPS und MOSES, erschienen im Frühjahr 2011. Christian Wickert hat dazu auch eine ökonomische Analyse erstellt, in der er grob überschlägt in wie weit durch die Publikation und den Verkauf die Investitionskosten der beiden Topsprayer™ gedeckt werden können. Wie dem auch sei, ein unterhaltsames Video. Wem das zu viel Vandalismus ist, kann sich ja von Banksy verarschen lassen.

Stations Of The Elevated

Nostalgische Gefühle kommen auf: Als Manfred Kirchheimer 1979 die Graffiti – Kunst der New Yorker Hochbahnen mit seiner Kamera festhielt, war sie schon im Verschwinden begriffen, weil der New Yorker Bürgermeister den Sprayern den Kampf angesagt hatte und die Bahnen so schnell säubern ließ, dass sie keine Chance mehr hatten.

Auch die Jazz-Musik war 1979 ein Anachronismus, denn zur Kultur der schwarzen Sprayer gehörten Rap und Breakdance, nicht die so schöne einlullende Jazzmusik, ohne die der Film eine ganz andere Stimmung hätte.

(…)

Irgendwann fahren die Züge schneller, und in der entgegen gesetzten Richtung werden die Malereien aggressiver: Man sieht in die Mündung eines Revolvers, auf weiße Totenköpfe, auf gewaltige stählerne Brückenkonstruktionen, zwischen denen die Züge durchfahren, auf triste Hochhaussiedlungen aus rotem Backstein, vor denen schwarze Kids spielen, auf einen ausrangierten Panzer mitten auf der Wiese. Das sind die Momente, in denen man spürt, dass es Kirchheimer jenseits aller Ästhetik auch darum ging, das Leben im schwarzen Ghetto zu zeigen, das solche Graffitis entstehen ließ.

(…)

via: MOP-Distribution. Text von: Andrea Dittgen.

(Videolink aktualisiert: 03.12.2013)

UNLIKE U

Train-Writing ist und bleibt ein verrücktes Phänomen. Warum machen Menschen das, fragten sich auch Henrik Regel und Björn Birg, die 2011 den Dokumentarfilm UNLIKE U veröffentlichten. Im Mai 2012 untersagte das Landgericht Berlin zwischenzeitlich den Verkauf, da die Filmaufnahmen ohne Erlaubnis der Verkehrsbetriebe entstanden sind – bis das Kammergericht im Oktober 2012 das Verbot kippte. Gut so, denn dieses Verbot würde jegliche journalistische Berichterstattung an der Grundstücksgrenze enden lassen. Genug der Rede, entdeckt ein Großstadtphänomen und kommt mir hier bloß nicht mit exit through the giftshop… 

Ein guter Zug

Gestern erst im Park darüber gesprochen, heute schon hier: der Trailer zu „Road Dogs“ von 4th Dimension. Darin geht es um eine besondere Fortbewegungsmöglichkeit: Reisen mit Güterzügen. In Europa ist das weniger verbreitet als beispielsweise in den Staaten. Dort legen die Züge auch längere Strecken zurück und können auch mal zwei Kilometer lang sein. Früher waren es wohnungslose Wanderarbeiter (Hobos), die diese Art der Fortbewegung betrieben. Bei Road Dogs hat das natürlich nicht mehr den genannten Hintergrund. Hier geht es um Okkultismus, Güterzugromantik und Industriebrachen. Sehr spannender Trailer, nicht zuletzt auch wegen der Musik! Das Foto oben führt zur Seite von 4th Dimension, wer dem Link folgt, entdeckt dort nochmehr Okkultes, Graffitis und seltsame Orte.